Die ukrainische Hochschul- und Forschungslandschaft entwickelte sich seit der Unabhängigkeit des Landes 1991 und den Umbrüchen der Euromaidan-Bewegung im Jahr 2014 quantitativ sehr dynamisch, durch die substanzielle Unterfinanzierung und einem ineffizienten Mitteleinsatz jedoch mit qualitativen Einbußen.

Bis heute ist das ukrainische Hochschul- und Wissenschaftssystem stark postsowjetisch geprägt. Typisch für das sowjetische Erbe sind geringe Hochschulautonomie und im Gegenzug dazu rigide ministerielle Vorgaben bis in die fachlichen Curricula, eine verschulte Hochschulausbildung mit studentischen Gruppen und eine starke Trennung von Lehre und Forschung. Eine erste Veränderung der ukrainischen Hochschul- und Forschungslandschaft begann mit dem Beitritt der Ukraine in den Bologna-Prozess im Jahr 2005, was sich positiv auf die Internationalisierung ukrainischer Studierender auswirkte. So hat sich die Anzahl der ukrainischen Studierenden im Ausland zwischen 2007 und 2019 mehr als verdreifacht und betrug im Jahr vor der Pandemie rund 77.000. Neben Polen und den baltischen Staaten ist Deutschland (konstant um die 9.000 ukrainischen Bildungsausländer) ein begehrtes Studienland. Jedoch wurden in den beiden Jahrzehnten nach der Unabhängigkeit essenzielle Reformen im Bildungsbereich versäumt und es bestanden verschiedene Problemfelder.

Erst infolge des Euromaidan 2013/2014 zeigen sich, nach der Verabschiedung eines für den postsowjetischen Raum vergleichsweise progressiven Hochschulgesetzes, positive Tendenzen. Vorrangiges Ziel des Hochschulreformgesetzes ist die Stärkung der Autonomie der Hochschulen, sowohl im finanziellen als auch, zumindest für die designierten Forschungs- und Nationalen Universitäten, im, bisher an staatlichen Standards orientierten, curricularen Bereich. Diese werden zurzeit zu kompetenz- und outputorientierten Vorgaben umgeschrieben und die Curriculumsplanung wird an die Universitäten verlagert. Des Weiteren erfolgte die Einführung von Wahlpflichtkursen. Die Forschung, die traditionell an den Akademien der Wissenschaften verankert ist, soll verstärkt an die Hochschulen gehen. Die Akkreditierung der neuen Studiengänge erfolgt durch die 2015 gegründete Nationale Agentur für Qualitätssicherung in der Hochschulbildung (NAQA). Die Internationalisierungskampagne des ukrainischen Bildungsministeriums sieht auch einen Ausbau der International Offices an den Hochschulen vor. Letztere haben sich traditionell auf die Arbeit mit Incomings konzentriert. Nun kamen zu ihren Aufgabenbereichen auch die Betreuung von Outgoings und von Hochschulkooperationen hinzu. Um die Internationalisierung und Mobilität in der Forschung zu stärken, sind zudem seit 2018 neueingestellte Absolventen eines PhD-Programms und Hochschullehrende mit „Dozentenstatus“ verpflichtet Auslandsaufenthalte und Fremdsprachenkenntnisse auf dem Niveau B2 einer EU-Sprache nachzuweisen. Im Zuge einer Modernisierungsoffensive soll in Zukunft, durch Schließungen und Zusammenschlüssen, die Zahl der universitären Einrichtungen von bislang 231 auf 80 Universitäten reduziert werden.

Die Reformen werden auch aktuell vom Bildungsministerium mit Nachdruck verfolgt, sind jedoch nach wie vor begleitet von strukturellen Problemen, nicht zuletzt der Unterfinanzierung des Bildungssektors (derzeit lediglich 0,47% des BIP). Hinzu kommt, dass durch den 2014 in der Ostukraine ausgelösten Konflikt, 17 Universitäten ihren Standort verlagert und zahlreiche Studierende ihre bisherigen Studienorte verlassen haben. Mit einem Ministererlass vom 1. Februar 2017 wurden sämtlichen, auf der Krim und in den besetzten Gebieten Donezk und Luhansk verbliebenen, tertiären Bildungseinrichtungen die Lizenzen entzogen.

2018 wurde mit der Einführung eines Nationalen Forschungsfonds ein wettbewerbsorientiertes System für die Vergabe von Fördermitteln eingeführt. Mit den Änderungen zum Hochschulgesetz vom Dezember 2019 schuf das ukrainische Bildungsministerium zusätzlich die Möglichkeit einer dualen Hochschulausbildung.

Im Jahr 2021 schloss sich die Ukraine dem Forschungs- und Innovationsprogramm der EU „Horizon Europe“ (2021-2027) und dem Euratom-Forschungs- und Ausbildungsprogramm (2021-2025) an. Diese Kooperation in den Bereichen Wissenschaft, Forschung und Innovation stärkt die Allianz zwischen der EU und der Ukraine bei der Verwirklichung gemeinsamer Prioritäten, wie z. B. des grünen und digitalen Wandels. Außerdem arbeitet die ukrainische Regierung an Reformen, um die Integration in den neu gestalteten Europäischen Forschungsraum (EFR) zu beschleunigen und dem COST-Programm für wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit beitreten zu können.

Angesichts dieser unübersichtlichen und dynamischen Situation, die von deutschen Hochschul- und Wissenschaftseinrichtungen weitgehend unbemerkt vor sich geht, stellt BAYHOST auf diesen Seiten die führenden ukrainischen Hochschulen- und Wissenschaftsinstitutionen vor. Dies dient dem Informationsdefizit entgegenzuwirken und bei der Suche nach ukrainischen Hochschulen, die zu den führenden Einrichtungen des Landes gehören und sich für Kooperationen, Forschungsprojekte, Austauschprojekte, Konferenzen etc. eignen, eine Hilfestellung zu bieten.

Die Informationen wurden von BAYHOST recherchiert und aufbereitet. Wo es möglich war, wurden diese von den Universitäten selbst bereitgestellt oder von den Webseiten der Hochschuleinrichtungen übernommen; teilweise sind sie um Angaben der „Key Research Institutions“-Datenbank von Increast ergänzt. Bei der Recherche nach Stiftungen hat uns Frau Yana Liashko vom UKRAINE Network unterstützt.

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