Seit Russland im Februar 2022 in die Ukraine einmarschiert ist, sind auf beiden Seiten hunderttausende Menschen getötet, verletzt, verschleppt worden. Auch finanziell hat der Krieg seinen Preis, Russlands Wirtschaft kriselt schwer. Warum also unterstützt nach wie vor die Mehrheit der russischen Bevölkerung die Invasion und Präsident Wladimir Putin? Prof. Dr. Krassimir Stojanov, Leiter des Lehrstuhls für Bildungsphilosophie und Systematische Pädagogik an der KU, sieht den wesentlichen Grund in einer massiven Indoktrination im russischen Bildungssystem und geht der Frage nun mit einem Forschungsteam nach.
Tag: Bildungspolitik
Die ukrainische Regierung hat am 15. Januar ihre „Global Innovation Strategy 2030“ vorgestellt. Die Strategie mit dem Titel „WinWin“ definiert die Vision der Ukraine als innovationsgetriebenes Land und umreißt Schlüsselbereiche, Grundsätze, Ziele und Aufgaben für die Innovationspolitik. Internationale Zusammenarbeit ist ein zentrales Element der Strategie.
Die Strategie skizziert einen Rahmen, um gute Bedingungen für Unternehmen, Start-ups, Forschende, Investoren und internationale Partner im Innovationssektor zu schaffen. Damit sollen die Souveränität, territoriale Integrität, wirtschaftliche Entwicklung und der Wiederaufbau der Ukraine nach dem Krieg abgesichert werden. Mit der Umsetzung der Strategie strebt die Ukraine einen wirtschaftlichen Aufschwung an und will sich als regionaler Innovationsführer innerhalb Europas positionieren.
Die WinWin-Strategie zielt drauf ab, Märkte zu öffnen und den Zugang zu Finanzmitteln zu erleichtern, die Innovationsinfrastruktur des Landes aus- und gleichzeitig bürokratische Hürden abzubauen. Zudem sollen die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Unternehmen sowie die Ausbildung von erforderlichen Fachkräften unterstützt werden. Ein weiterer Fokus liegt auf der internationalen Zusammenarbeit und hier besonders auf der Integration in den Europäischen Forschungsraum.
Die Strategie benennt Schlüsselsektoren und -bereiche und formuliert hierfür Ziele und Maßnahmen. Diese umfassen Technologien für Verteidigung, Medizin, Biologie, Nachhaltigkeit, Bildung, Landwirtschaft und Raumfahrt. Zudem adressiert die Strategie Künstliche Intelligenz, Halbleiter, Cybersicherheit, unbemannte und autonome Systeme sowie immersive Technologien (Extended Reality, XR) als Schlüsseltechnologien. Des Weiteren sollen technologische Lösungen in der Regierung und Verwaltung gefördert werden, um Innovationen zu beschleunigen und zu erleichtern.
Für die Umsetzung der Strategie wird ein Zeitplan mit konkreten Zielvorgaben bis zum Jahr 2030 vorgelegt. Dazu zählt unter anderem die Platzierung in internationalen Rankings: Pisa (2030: 470-510 Punkte; 2022:428-450), Global Innvoation Index (2030: Rang 45; 2023: 57), Global Human Capital Index (2030: Rang 55; 2023: 79) und Global Patent Index (2030: Rang 35; 2023: 46). Als weitere Ziele werden die Steigerung der Ausgaben für Forschung und Entwicklung (2030: 1,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts; 2023: 0,33 Prozent) sowie ein innovationsgetriebener Produktivitätszuwachs (2030: 35 Prozent; 2023: 25 Prozent) ausgegeben. Die Umsetzung soll durch jährliche Berichte überwacht und evaluiert werden.
Zur Strategie
Die vollständige Strategie liegt ausschließlich in ukrainischer Sprache vor. In englischer Sprache sind zusätzlich zum Internetauftritt zwei ausführliche Präsentationen zu den Inhalten verfügbar:
- winwin.gov.ua: Ukrainian Global Innovation Strategy 2030. Full version
- winwin.gov.ua: Ukrainian Global Innovation Strategy 2030. Framework of sectoral Strategies
Die Strategie wurde vom Ministerium für digitale Transformation der Ukraine in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Ukraine und dem Amt für effektive Regulierung (Better Regulation Delivery Office, BRDO) mit Unterstützung der United States Agency for International Development (USAID) und UK International Development erstellt.
Quelle: Kooperation International
Russland legt in der Bildungs-, Forschungs- und Innovationspolitik ein hohes Reformtempo vor. Alte Strukturen werden aufgebrochen, neue Instrumente eingeführt und ehrgeizige Ziele aufgestellt. Seit 2018 bildet die „Deutsch-russische Roadmap für die Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft, Forschung und Innovation“ eine umfassende Grundlage für die deutsch-russische Kooperation in Gegenwart und Zukunft.
Auf der Russland-Seite von Kooperation International finden Sie einen komplett überarbeiteten und neu strukturierten Länderbericht, der in 9 Abschnitte gegliedert ist:
• Allgemeine Landesinformationen
• Zusammenfassung mit drei Überblicksabschnitten
• Bildungslandschaft
• Forschungs- und Innovationslandschaft
• Ministerien und Gremien
• Fachliche Stärken des Forschungssystems (Grundlagenforschung, Luft- und Raumfahrt)
• Politische Zielsetzungen und Programme
• Internationale Programmatik
• Bi- und multilaterale Kooperationen.
Zusätzlich wurden die Dokumente und Institutionenlinks überabeitet.
Quelle: Kooperation International
Am 19. August hat Staatschef Wladimir Putin den Bildungsminister Dmitri Liwanow seines Amtes enthoben. Liwanows Absetzung erfolgte zehn Tage vor dem Ende der russischen Schulferien.
Die Ernennung von Lilija Hrynewytsch zur Ministerin für Wissenschaft und Bildung kam weder unerwartet, noch rief sie besonderen Widerspruch hervor. Hrynewytsch ist bestens mit den Problemen im Bildungsbereich vertraut (mehrmals leitete sie den Parlamentsausschuss für Bildung und Wissenschaft), kennt das Schulsystem nicht nur vom Hörensagen (sie hat darin alle Ebenen durchlaufen, von der Lehrerin bis zur Leitung der Bildungs- und Wissenschaftsabteilung der staatlichen Verwaltungsbehörde der Stadt Kiew) und war Direktorin des ukrainischen Zentrums zur Beurteilung der Bildungsqualität.