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Hochschulen in Russland und der Ukraine

Tag: Wissenschaft (Page 1 of 2)

Geflüchtete Wissenschaftler*innen: DFG unterstützt: Beitrag zur Integration in Wissenschaft und Gesellschaft

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt weiterhin aus ihren Heimatländern geflüchtete Wissenschaftler*innen. Ermöglicht werden soll eine kurzfristige Integration in das deutsche Wissenschaftssystem, damit die wissenschaftliche Arbeit fortgesetzt werden kann.

Promovierte geflüchtete Wissenschaftler*innen, die innerhalb der letzten drei Jahre ihre Heimat verlassen mussten, können zum einen eine Walter Benjamin-Stelle einwerben und auf diese Weise ein eigenes Forschungsvorhaben durchführen. Die Förderung in diesem Programm bietet die Chance, durch die selbstständige Betreuung eines Forschungsprojekts Erfahrungen an einer wissenschaftlichen Einrichtung in Deutschland zu gewinnen, die für nächste Schritte der Etablierung im deutschen Wissenschaftssystem die erforderliche Grundlage bilden. Gleichzeitig kommen den Antragsteller*innen Maßnahmen zur individuellen Karriereunterstützung durch die Gasteinrichtung zugute, die im Walter Benjamin-Programm Bestandteil des Konzepts sind. Der in der Regel in diesem Programm bestehende Fokus auf Antragsteller*innen in der frühen Postdoktoranden-Phase entfällt für diese Zielgruppe.

Zum anderen können geflüchtete Wissenschaftler*innen in verschiedenen DFG-Förderprogrammen (Sachbeihilfe, Schwerpunktprogramm, Forschungsgruppe, Klinische Forschungsgruppe, Kolleg-Forschungsgruppe, Graduiertenkolleg) in laufende Projekte integriert werden. Eine solche Förderung kann seitens der Projektleiter*innen laufender DFG-Projekte über Zusatzanträge eingeworben werden. Die Zusatzanträge können sich auf alle Fördermittel richten, die eine Einbindung der Betroffenen als wissenschaftliche Hilfskräfte, Doktorand*innen, Postdoktorand*innen oder Professor*innen in das Projekt ermöglichen. Für die Einbindung von wissenschaftlich ausgewiesenen Personen eignet sich vor allem das Mercator-Modul; mit ihm können zum einen Aufenthalts- und Reisekosten und zum anderen eine Vergütung gewährt werden, deren Höhe sich nach der wissenschaftlichen Qualifikation richtet.

Sonderforschungsbereiche werden explizit angeregt, für die Einbindung von geflüchteten Wissenschaftler*innen insbesondere die bereits bewilligten pauschalen Mittel einzusetzen, mit denen sie flexibel, eigenverantwortlich und unmittelbar bedarfsgerecht reagieren können. Für Exzellenzcluster gilt dies ebenso.

Die rechtliche Ausgestaltung der Einbindung der geflüchteten Personen liegt in der Verantwortung der antragstellenden Projektleitungen sowie der Hochschulen beziehungsweise außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Hierzu zählen insbesondere die Feststellung akademischer Qualifikationen sowie die Prüfung der rechtlichen Voraussetzungen zum Beispiel für den Abschluss von Beschäftigungsverträgen.

Bis auf Weiteres verlängert die DFG das Sonderprogramm Ukraine. Über diese Fördermöglichkeit können ukrainische Wissenschaftler*innen (Projektleitungen), die sich in der Ukraine befinden und deren Forschung weiter möglich ist, eine gesonderte Unterstützung erhalten. Im Rahmen des bestehenden DFG-Verfahrens „Kooperation mit Entwicklungsländern“ können die Antragsteller*innen in Deutschland bei der Sachbeihilfe, bei Forschungsgruppen und im Schwerpunktprogramm neben Mitteln für die Projektdurchführung in der Ukraine auch Mittel für den Lebensunterhalt der ukrainischen Projektleitungen in Höhe von maximal 1000 Euro pro Monat pro Projektleitung beantragen und im Bewilligungsfall an diese weiterleiten.

Quelle: Deutsche Forschungsgemeinschaft

Ukraine stellt Innovationsstrategie „WinWin“ vor

Die ukrainische Regierung hat am 15. Januar ihre „Global Innovation Strategy 2030“ vorgestellt. Die Strategie mit dem Titel „WinWin“ definiert die Vision der Ukraine als innovationsgetriebenes Land und umreißt Schlüsselbereiche, Grundsätze, Ziele und Aufgaben für die Innovationspolitik. Internationale Zusammenarbeit ist ein zentrales Element der Strategie.

Die Strategie skizziert einen Rahmen, um gute Bedingungen für Unternehmen, Start-ups, Forschende, Investoren und internationale Partner im Innovationssektor zu schaffen. Damit sollen die Souveränität, territoriale Integrität, wirtschaftliche Entwicklung und der Wiederaufbau der Ukraine nach dem Krieg abgesichert werden. Mit der Umsetzung der Strategie strebt die Ukraine einen wirtschaftlichen Aufschwung an und will sich als regionaler Innovationsführer innerhalb Europas positionieren.

Die WinWin-Strategie zielt drauf ab, Märkte zu öffnen und den Zugang zu Finanzmitteln zu erleichtern, die Innovationsinfrastruktur des Landes aus- und gleichzeitig bürokratische Hürden abzubauen. Zudem sollen die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Unternehmen sowie die Ausbildung von erforderlichen Fachkräften unterstützt werden. Ein weiterer Fokus liegt auf der internationalen Zusammenarbeit und hier besonders auf der Integration in den Europäischen Forschungsraum.  

Die Strategie benennt Schlüsselsektoren und -bereiche und formuliert hierfür Ziele und Maßnahmen. Diese umfassen Technologien für Verteidigung, Medizin, Biologie, Nachhaltigkeit, Bildung, Landwirtschaft und Raumfahrt. Zudem adressiert die Strategie Künstliche Intelligenz, Halbleiter, Cybersicherheit, unbemannte und autonome Systeme sowie immersive Technologien (Extended Reality, XR) als Schlüsseltechnologien. Des Weiteren sollen technologische Lösungen in der Regierung und Verwaltung gefördert werden, um Innovationen zu beschleunigen und zu erleichtern.  

Für die Umsetzung der Strategie wird ein Zeitplan mit konkreten Zielvorgaben bis zum Jahr 2030 vorgelegt. Dazu zählt unter anderem die Platzierung in internationalen Rankings: Pisa (2030: 470-510 Punkte; 2022:428-450), Global Innvoation Index (2030: Rang 45; 2023: 57), Global Human Capital Index (2030: Rang 55; 2023: 79) und Global Patent Index (2030: Rang 35; 2023: 46). Als weitere Ziele werden die Steigerung der Ausgaben für Forschung und Entwicklung (2030: 1,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts; 2023: 0,33 Prozent) sowie ein innovationsgetriebener Produktivitätszuwachs (2030: 35 Prozent; 2023: 25 Prozent) ausgegeben. Die Umsetzung soll durch jährliche Berichte überwacht und evaluiert werden.  

Zur Strategie

Die vollständige Strategie liegt ausschließlich in ukrainischer Sprache vor. In englischer Sprache sind zusätzlich zum Internetauftritt zwei ausführliche Präsentationen zu den Inhalten verfügbar:

Die Strategie wurde vom Ministerium für digitale Transformation der Ukraine in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Ukraine und dem Amt für effektive Regulierung (Better Regulation Delivery Office, BRDO) mit Unterstützung der United States Agency for International Development (USAID) und UK International Development erstellt.

Quelle: Kooperation International

Neues Projekt knüpft kollaboratives Datennetzwerk für Osteuropa

Das Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS), das European Centre for Minority Issues (ECMI) und das Centre Marc Bloch (CMB) bauen gemeinsam das neue Datennetzwerk KoDaNetOst auf. Ziel ist es, Forschungseinrichtungen und Bildungsinstitutionen in Osteuropa, dem Südkaukasus, Zentralasien und den EU-Staaten zu verknüpfen, die sozial- und geisteswissenschaftliche Daten erheben und nutzen.

Ob Umfragedaten oder qualitative Datenerhebungen, ökonomische und ökologische Analysen oder Archivmaterial – eine gute Datengrundlage ist für die wissenschaftliche Zusammenarbeit, den Erkenntnisgewinn und den Wissenstransfer unabdingbar. Das Sammeln von und der Zugang zu geistes- und sozialwissenschaftlichen Daten aus und über Osteuropa ist jedoch mit Herausforderungen verbunden. Oft sind Akteur*innen wie Universitäten und Forschungszentren, Nichtregierungsorganisationen (NRO), Think Tanks oder Einzelpersonen nur unzureichend miteinander vernetzt, unterliegen unterschiedlichen rechtlichen Regeln oder kommen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Kulturen. Das neue Kollaborative Datennetzwerk mit Osteuropa (KoDaNetOst) dient als Plattform und Schnittstelle für Akteur*innen, die in, mit und über Osteuropa Forschungsdaten erheben und bearbeiten.

„Ein regional verankertes Netzwerk mit auf Augenhöhe agierenden Partner*innen erscheint uns vielversprechend, um globalen, regionalen und lokalen Herausforderungen wirksam(-er) zu begegnen“, betonen Sabine von Löwis und Kerstin Bischl, die das Projekt am ZOiS koordinieren. Es startet mit zehn einschlägigen assoziierten Partner*innen in Georgien, Moldau, der Ukraine, Zentralasien sowie in der EU. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Vorhaben mit 40 000 € zunächst bis September 2025.

In der gegenwärtigen Etappe werden die Projektpartner ZOiS, ECMI und CMB zwei Präsenz-Workshops durchführen, die zusammen mit weiteren Arbeitstreffen dem Wissensaustausch zwischen „Ost“ und „West“ hinsichtlich methodologischer, technischer, forschungsethischer und rechtlicher Standards dienen. Mittelfristig erstellen sie eine Webseite zur Visualisierung der Daten- und Akteurslandschaft in und zu Osteuropa und schaffen damit die Voraussetzungen für eine gemeinschaftliche Nutzung. Zum Ende der ersten Förderphase werden die beteiligten Institutionen gemeinsam einen Antrag zur Etablierung eines nachhaltigen Netzwerks erarbeiten.

Quelle: ZOIS

Expertise bündeln, Ukraine-Kompetenz erhöhen

Der DAAD fördert mit Mitteln des Auswärtigen Amts zwei Zentren für interdisziplinäre Ukrainestudien: An ihren Standorten in Regensburg sowie Frankfurt an der Oder und Berlin gehen sie neue Wege, um der Ukraine in ihrer Vielfalt gerecht zu werden.

„Unser Ziel ist es, die Ukraine-Kompetenz in Deutschland zu erhöhen“, sagt Dr. Gisela Zimmermann vom Referat Kooperationsprojekte in Europa, Südkaukasus und Zentralasien im DAAD. „Die neuen, vom DAAD geförderten Zentren sollen ihre Arbeit auch gezielt an die Öffentlichkeit bringen.“ Breite Aufmerksamkeit für wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse – das hat für die Ukraine besondere Bedeutung.

„Die Tatsache, dass wir von Russlands groß angelegtem Einmarsch in der Ukraine überrascht wurden, sollte Beweis genug dafür sein, dass wir mehr – und differenzierteres – Fachwissen über und einen neuen Blick auf Osteuropa brauchen“, hob DAAD-Generalsekretär Dr. Kai Sicks bereits im Juli 2024 in seinem Grußwort zur Eröffnung des „Kompetenzverbunds Interdisziplinäre Ukrainestudien Frankfurt (Oder) – Berlin (KIU)“ hervor, den die Europa-Universität Viadrina mit Berliner Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen bildet. Sicks betonte: „Wir müssen unsere oft vereinfachte und falsche Wahrnehmung dieses vermeintlich einheitlichen, von Russland dominierten ‚Ostblocks‘ aufgeben. Stattdessen müssen wir die Region in ihrer ganzen kulturellen, historischen und politischen Vielfalt anerkennen. Dies gilt insbesondere für die Ukraine.“ Der KIU in Frankfurt an der Oder und Berlin und der am 2. Oktober 2024 eröffnete „Denkraum Ukraine“ an der Universität Regensburg: Beide Zentren für interdisziplinäre Ukrainestudien gehen neue Wege. Wir stellen die Zentren im Folgenden vor.

Kompetenzverbund Interdisziplinäre Ukrainestudien Frankfurt (Oder) – Berlin (KIU)

Ukraine-Kompetenz auf einer breiten Basis – das zeigt sich am KIU an drei Säulen: „Wir haben einen Forschungs-, einen Lehr- und einen Transferbereich etabliert“, erzählt Dr. Susann Worschech, wissenschaftliche Koordinatorin des KIU. „Wir gehen über die klassische Ukrainistik hinaus und vermitteln auch Kompetenz im sozial-, wirtschafts- und rechtswissenschaftlichen Bereich.“ Im neuen Wintersemester startet ein ukrainebezogenes Lehrprogramm für Studierende, das im Laufe des nächsten Jahres zu einem Zertifikatsprogramm Ukrainestudien mit Ukraine-Seminaren, Sprachkursen und Möglichkeiten für Praktika ausgebaut wird. Neue Forschungsallianzen sind ebenso Ziel des KIU wie weitreichender Transfer der wissenschaftlichen Erkenntnisse.

„Wir sind gut vernetzt mit dem politischen Berlin und haben zahlreiche Kontakte in die EU-Zentren Brüssel und Straßburg“, veranschaulicht Susann Worschech. „Unser Ziel ist es, neben der Etablierung von Ukrainestudien im akademischen Raum, nicht zuletzt auch langfristig Wissen für den politischen wie für den medialen Diskurs aufzubauen.“ Das gelinge auch über die Ausbildung der Studierenden mit einem Ukraine-Wissen, das sich nicht allein auf das Land konzentriert, sondern zudem auf seine vielfältigen Verflechtungen und internationalen Beziehungen. Absolventinnen und Absolventen könnten perspektivisch auch in Ministerien ihre neue Ukraine-Kompetenz einbringen.

Neben der Viadrina sind mehrere Berliner Institutionen Teil des KIU: Die Freie Universität Berlin und die Humboldt-Universität zu Berlin, die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, das Wissenschaftskolleg Berlin und das Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS). Gemeinsam verfolgen sie die drei Schwerpunktthemen zu „Geschichte und Kultur“, „Gesellschaft und Staat“ und „Konflikt, Krieg und multiple Krisen im globalen Kontext“. Eine Weiterentwicklung des studienbegleitenden Zertifikatsprogramms Ukrainian Studies zu einem einschlägigen Masterstudienangebot wird ebenfalls angestrebt. Für die Vermittlung von Wissen über die Ukraine in Politik und Gesellschaft werden vielfältige Veranstaltungs- und Informationsformate eingesetzt. Auch ist ein Graduiertenkolleg zu den Schwerpunktthemen im Aufbau.

Zentral sind für den KIU seine ukrainischen Hochschulpartner: die Kyiv School of Economics, die Nationale Universität Kyjiw-Mohyla Akademie, die Nationale Taras Schewtschenko-Universität Kyjiw, die Ukrainische Katholische Universität Lwiw sowie die Karasin-Universität Charkiw. Auch NGOs wie der sozialwissenschaftliche ukrainische Thinktank Cedos zählen zum Netzwerk, ebenso Universitäten in Großbritannien, Polen und Litauen. Susann Worschech bringt das Ziel des gemeinsamen Einsatzes auf den Punkt: „Wir machen das mit dem Ziel, nie wieder erleben zu müssen, dass politische und soziale Erdbeben unsere direkte östliche Nachbarschaft erschüttern und wir einfach nicht damit umgehen können.“

„Denkraum Ukraine“ an der Universität Regensburg

„Der Aufbau eines Zentrums für interdisziplinäre Ukrainestudien ermöglicht es uns, institutionalisiert und längerfristig mit unseren ukrainischen und weiteren Kolleginnen und Kollegen zusammenzuarbeiten“, sagt Professor Guido Hausmann, Leiter des Arbeitsbereiches Geschichte am Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung (IOS) und Professor für Geschichte Ost- und Südosteuropas mit Schwerpunkt Russland/Sowjetunion und Ukraine an der Universität Regensburg. Dabei kann das Team um Hausmann, der wie auch Professorin Mirja Lecke Co-Sprecher des „Denkraums Ukraine“ ist, das Zentrum mit vielfältigen akademischen Strukturen in Regensburg verknüpfen: mit der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien, dem Department für interdisziplinäre und multiskalare Area Studies (DIMAS), dem von 2020 an mit der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg eingerichteten Zentrum Erinnerungskultur, dem IOS, dem Leibniz-WissenschaftsCampus „Europa und Amerika in der modernen Welt“ und dem Institut für Ostrecht. Es gibt auch vielfältige deutschlandweite und internationale Kooperationen, unter anderem mit dem Canadian Institute of Ukrainian Studies (CIUS) in Edmonton, der Nationalen Taras Schewtschenko-Universität-Kyjiw, der Ukrainischen Katholischen Universität in Lwiw sowie zusätzlichen regionalen und internationalen Partnern.

Vier Themenfelder stehen im Fokus des „Denkraums Ukraine“: „Sprache und kulturelles Erbe“, „Krieg, Frieden und Nachkriegsordnung“, „Flucht, Migration und Wertetransfer“ sowie „Regionale Vielfalt: Industrie- und Grenzregionen im Vergleich“. Sie eröffnen auf breiter disziplinärer Grundlage einen interdisziplinären Denkraum. Guido Hausmann macht deutlich, wie vielschichtig die Verbindungen Regensburgs mit der Ukraine sind. Schon im Mittelalter gab es Handelsbeziehungen mit Kyjiw und Odesa. Nach dem Zweiten Weltkrieg existierte das größte bayerische „Ukrainerlager“ für Displaced Persons in der Stadt, ebenso ein Ukrainisches Wissenschaftliches Institut Ende der 1940er-Jahre. „Und heute pflegen wir auch eine lange, sehr aktive Städtepartnerschaft mit Odesa“, so Hausmann. „Wir haben sehr gute Voraussetzungen, nicht nur internationale Beziehungen zu stärken, sondern mit unserer Forschung und Lehre auch den Transfer in die lokale und regionale Gesellschaft zu leisten.“ Hausmann nennt die Flucht, Vertreibung und Migration von Ukrainerinnen und Ukrainern nach Deutschland zu unterschiedlichen Zeitpunkten der Geschichte als ein Beispiel für eine vergleichende Forschungsperspektive.

Auch für das Ziel, eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen, sind die Bedingungen in Regensburg gut. So hat das IOS etwa 2022 sein Blog-Format „Ostblog Spezial: Russlands Krieg gegen die Ukraine“ gestartet, das nach wie vor vielfältige Perspektiven zum Krieg anbietet: vom Blick auf den russischen Imperialismus bis zum Rundgang durch Odesa mit seinem reichen, aber bedrohten kulturellen Erbe. Guido Hausmann weiß um den Wert der historischen Perspektive – und richtet den Blick in die Zukunft: „Wir haben die Hoffnung, ein Zentrum aufzubauen, das den Blick auf die Ukraine langfristig wertvoll erweitert. Dieser Aufgabe werden wir uns in den kommenden Jahren insbesondere gemeinsam mit unseren ukrainischen Partnern intensiv widmen und damit in die breite Öffentlichkeit ausstrahlen.“

Johannes Göbel (4. Oktober 2024)

Quelle: DAAD

Russland will Forschungsausgaben um 25 Prozent kürzen

Die Forschungsausgaben der russischen Regierung werden in den nächsten zwei Jahren um 25 Prozent gekürzt. Dies geht aus dem Haushaltsplan für die Jahre 2025 und 2026 hervor, der Anfang des Monats vom Parlament verabschiedet wurde.

Die Förderung der angewandten Forschung, auf die etwa zwei Drittel der russischen Forschungsausgaben entfallen, wird von den Kürzungen am stärksten betroffen sein: Sie wird von 458 Milliarden Rubel (4,67 Mrd. EUR*) in diesem Jahr auf 362 Mrd. Rubel (3,69 Mrd. EUR) im Jahr 2025 und 260 Mrd. Rubel (2,65 Mrd. EUR) im Jahr 2026 zurückgehen, so eine aktuelle Analyse des Instituts für Statistik und Wissensökonomie der Russischen Hochschule für Wirtschaft. Die Ausgaben für die Grundlagenforschung werden im Wesentlichen unverändert bleiben und leicht von 261 Mrd. Rubel (2,66 Mrd. EUR) auf 235 Mrd. Rubel (2,4 Mrd. EUR) im Jahr 2025 sinken, um dann auf 276 Mrd. Rubel (2,82 Mrd. EUR) im Jahr 2026 zu steigen.

Insgesamt sieht der Haushaltsplan vor, dass der Anteil der föderalen Ausgaben für die Forschung von 2,7 Prozent in diesem Jahr auf 2 Prozent im Jahr 2026 sinkt – der niedrigste Stand seit 2004. Dieser Rückgang ist darauf zurückzuführen, dass Russland seine Militärausgaben, die in diesem Jahr voraussichtlich 40 Prozent der Bundesausgaben ausmachen werden, drastisch erhöht und die Budgets in anderen Bereichen gekürzt hat.

Wechelkurs 03.09.2024: 1 Rubel = 0,0102 EUR

Quelle: Kooperation International

DAAD fördert interdisziplinäre Ukrainestudien mit zwei Ukraine-Zentren

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) fördert den Aufbau von zwei Zentren für interdisziplinäre Ukrainestudien an deutschen Hochschulen. Im Auswahlverfahren konnten sich ein Verbund unter Leitung der Europa-Universität Viadrina sowie die Universität Regensburg durchsetzen. Für beide Zentren stehen bis 2028 rund fünf Millionen Euro aus Mitteln des Auswärtigen Amts zur Verfügung.

Bei der Auswahl der Zentren für interdisziplinäre Ukrainestudien konnten sich zwei Hochschulen durchsetzen: Zum einen das Zentrum „Denkraum Ukraine“ der Universität Regensburg, zum anderen der „Kompetenzverbund Interdisziplinäre Ukrainestudien Frankfurt (Oder) – Berlin (KIU)“ der Europa-Universität Viadrina im Verbund mit Berliner Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen. Beide Projekte erhalten 2024 rund 750.000 Euro. Insgesamt stehen bis 2028 knapp fünf Millionen Euro zur Verfügung.

Die ausgewählten Zentren sollen zum Ausbau der Ukraine-Expertise in Deutschland beitragen und sozial- und geisteswissenschaftliche Forschung und Lehre zur Ukraine zwischen Fachbereichen und Institutionen strategisch zusammenführen. Eine besondere Rolle spielt bei den Zentren zudem die Wissenschaftskommunikation und die Vernetzung von deutschen, ukrainischen und internationalen Akteuren aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft: Aktuelle Forschungsergebnisse sollen für das Fachpublikum sowie eine breitere Öffentlichkeit aufbereitet werden, gerade auch für Institutionen, die sich beim Wiederaufbau der Ukraine engagieren.

DAAD-Präsident Joybrato Mukherjee sagte dazu:

„Kurz nach dem zweiten Jahrestag des russischen Überfalls auf die Ukraine setzen wir als DAAD mit der Förderung zum Aufbau der beiden Zentren ein klares Zeichen der Kooperation und der Solidarität. Beide Zentren werden die Ukraine-Kompetenz in Deutschland stärken und dabei intensiv mit Partnern in der Ukraine zusammenarbeiten. Russlands Krieg in der Ukraine hat gezeigt, dass wir in Deutschland mehr Expertise zu Osteuropa und speziell zur Ukraine benötigen. Ein Wiederaufbau des Landes und eine Heranführung der Ukraine an die Europäische Union setzt auch bei uns vertieftes Wissen zu Geschichte, Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft der Ukraine voraus. Beide Zentren werden dazu einen wichtigen Beitrag leisten.“

Quelle: Kooperation International

Vier deutsch-ukrainische Exzellenzkerne ausgewählt: Unterstützung für ein forschungsstarkes Wissenschaftssystem in der Ukraine

Im Rahmen der Förderrichtlinie zum Aufbau deutsch-ukrainischer Exzellenzkerne in der Ukraine wurden nun vier deutsch-ukrainische Exzellenzkerne ausgewählt, die ab 2024 aufgebaut werden sollen.

Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger erklärte anlässlich der Auswahl:

„Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine trifft auch die ukrainische Wissenschaft mit andauernder Härte. Deutschland steht militärisch wie zivil fest an der Seite des Landes. Mit den jetzt ausgewählten vier deutsch-ukrainischen Exzellenzkernen unterstützen wir die Ukraine gezielt bei einem modernen, forschungsstarken Wissenschaftssystem und einem funktionierenden Transfer in Wirtschaft und Gesellschaft. Sie sind auch ein wichtiger Beitrag zum Wiederaufbau des Landes. Für die deutsch-ukrainischen Exzellenzkerne stellt das Bundesforschungsministerium bis zu elf Millionen Euro in den kommenden vier Jahre bereit. Sie sind zukünftige Zentren wissenschaftlicher Exzellenz in der Ukraine, geleitet von einer internationalen Spitzenforscherin oder einem internationalen Spitzenforscher.“

Die vier deutsch-ukrainischen Exzellenzkerne

  • Der deutsch-ukrainische Exzellenzkern EUU20 soll perspektivisch in Lwiw die deutsch-ukrainische und europäische Geschichte des Zwanzigsten Jahrhunderts erforschen.
  • Der deutsch-ukrainische Exzellenzkern für Naturstoffforschung CENtR soll perspektivisch in Lwiw angesiedelt sein und fokussiert auf Strategien zur Entdeckung und medizinischen Nutzbarmachung neuer Antiinfektiva.
  • Der deutsch-ukrainische Exzellenzkern für Quantenmaterialien GU-QuMat soll perspektivisch in Kiew angesiedelt sein und wird sich auf die Suche nach neuartigen Quantenmaterialien sowie deren Funktionalisierung als Plattform für zukünftige Technologien konzentrieren.
  • Der deutsch-ukrainische Exzellenzkern PLASMA-SPIN-ENERGY soll perspektivisch in Charkiw angesiedelt sein. Ziel ist es, Plasmatechnologien für die Herstellung von Spintronik-Bauteilen zu nutzen und so elektronische Geräte der nächsten Generation zu schaffen.

Hintergrund

Der Auswahl der Exzellenzkerne lag ein wettbewerbliches, gutachtergestütztes Verfahren zugrunde. Die Maßnahme ist unterteilt in eine Konzeptphase (18 Monate) und die eigentliche Implementierungsphase (vier Jahre). Für die bereits abgeschlossene Konzeptphase, in der 12 Exzellenzkern-Kandidaten gefördert wurden, standen je Projekt bis zu 100.000 Euro zur Ausarbeitung eines tragfähigen Konzepts für einen Exzellenzkern zur Verfügung.

Die Konzepte dienten als Basis für die finale Sitzung des Auswahlgremiums. Als Ergebnis dieser Sitzung wurden die vier besten Exzellenzkern-Kandidaten für die Förderung der Implementierungsphase ausgewählt. Pro Exzellenzkern werden ab 2024 etwa 2,5 Millionen Euro (gegebenenfalls zuzüglich einer Projektpauschale von 20 Prozent) für vier Jahre an Fördermitteln zur Verfügung gestellt.

Quelle: Kooperation International

Studien zur Wissenschaftsfreiheit in Russland, Belarus und der Ukraine vorgestellt

Das SCIENCE AT RISK Emergency Office hat im Auftrag des Auswärtigen Amts Studien zu den Folgen des völkerrechtswidrigen russischen Angriffskrieges auf die Wissenschaftsfreiheit in der Ukraine sowie zum Stand der Wissenschaftsfreiheit in Russland und in Belarus angefertigt.

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat massive Auswirkungen auf die Wissenschaft: Beispielsweise mussten zahlreiche Forschende aus der Ukraine vor russischen Truppen fliehen, Universitäten und Bibliotheken wurden bombardiert, es fehlt an Geld für die Forschung. In Russland und Belarus wiederum erschweren Repressionen zusehends Forschungsvorhaben, viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind ins Exil gegangen, internationale Kooperationen wurden gekappt. Die im November in Berlin vorgestellten Studien (Monitoring Reports) des SCIENCE AT RISK Emergency Office, ein vom Akademischen Netzwerk Osteuropa  (akno e.V.)  gegründetes Projekt, kartieren die aktuelle Lage der Wissenschaftsfreiheit in Belarus, Russland und der Ukraine.

SCIENCE AT RISK Monitoring Report

Ukraine 2022-2023: Threats to science and higher education after the full-scale Russian invasion 

Die Studie untersucht die Folgen des russischen Angriffskriegs für das ukrainische Wissenschaftssystem. Zur Lage in der Ukraine wurde unter anderem eine Online-Befragung durchgeführt, an der mehr als 4.000 bedrohte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern teilnahmen, um detailliertere Informationen zu Arbeitsbedingungen, Status und Bedürfnissen der ukrainischen Wissenschaft zu gewinnen. Die Studie soll bei der Planung und Umsetzung von Hilfsmaßnahmen sowie dem Ausbau der Zusammenarbeit mit der Ukraine unterstützen.

Belarus 2020-2023: Zum Stand der Wissenschaftsfreiheit

Die Studie zielt darauf ab, Mechanismen politischer Repressionen in Belarus und ihre Folgen für die akademische Gemeinschaft offenzulegen und gleichzeitig die qualitativen und quantitativen Charakteristika der Unterdrückung freien Denkens, Forschens und Lehrens im Wissenschaftssektor aufzuzeigen. Die Untersuchung erstreckt sich über den Zeitraum von August 2020 bis Oktober 2023. Berücksichtigt werden Studierende, Lehrende und Mitarbeitende von wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen an belarussischen Hochschulen.  

Russia 2022/2023: Persecutions in the academic sphere and forced emigration

Die Studie beleuchtet die akademische Emigration aus Russland in Folge zunehmender Repressionen sowie deren Auswirkungen auf Hochschulen am Beispiel der Moskauer Higher School of Economics (HSE). Zudem wurden Interviews mit Vertreterinnen und Vertretern der akademischen Gemeinschaft geführt, die Russland nach dem Beginn des Krieges in der Ukraine verlassen haben, um deren aktuelle Situation zu erfassen.

Source: Kooperation International

Europäische Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technologie: Ukraine und Georgien werden COST-Mitglieder

Die Mitgliedstaaten der Initiative zur europäischen Zusammenarbeit im Bereich der wissenschaftlichen und technischen Forschung COST haben einstimmig die Aufnahme beider Länder als Vollmitglieder beschlossen.

Die Abstimmung fand während der COST-Generalversammlung am 30. und 31. März unter Schirmherrschaft des französischen EU-Ratsvorsitzes in Paris statt. Nach dem einstimmigen Beschluss treten sowohl Georgien als auch die Ukraine als Vollmittglieder Nummer 39 und 40 COST (European Cooperation in Science and Technology) bei.

Die COST-Mitgliedschaft ermöglicht es Forschenden sowie Innovatorinnen und Innovatoren aus beiden Ländern, die Vernetzungsmöglichkeiten von COST in vollem Umfang zu nutzen und auch als Hauptantragstellende für COST-Aktionen aufzutreten. Darüber hinaus werden Georgien und die Ukraine auf Leitungsebene der Initiative an der strategischen Ausrichtung von COST mitwirken.

Aktuell sind bereits 66 ukrainische Forschende und 28 georgische Forschende an 28 bzw. 21 COST-Aktionen beteiligt.

Quelle: Kooperation International

Die Präsidentenstiftung für Bildung, Wissenschaft und Sport hat ihre Arbeit aufgenommen

In Kiew fand die Gründungssitzung des Rates der Stiftung des Präsidenten der Ukraine für Bildung, Wissenschaft und Sport statt. Dies teilte der Pressedienst des Präsidialamtes am Freitag, 1. Oktober, mit.

Die Stiftung selbst wurde 2019 gegründet, und im Juni 2021 genehmigte Präsident Wladimir Zelenski das Reglement für den Stiftungsrat, mit dem die Aktivitäten der Stiftung neu festgelegt wurden.

Die Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, talentierte Ukrainer und ihre Ideen in den oben genannten Bereichen zu fördern und zu unterstützen, um die Führungsposition des Landes in der Welt zu stärken.

Iryna Tulyakova, die Vorsitzende des Stiftungsrats, gratulierte den Anwesenden und erklärte, dass die Stiftung des Präsidenten die Möglichkeit biete, in der Ukraine Veränderungen herbeizuführen und talentierte junge Menschen zu fördern.

Zu den wichtigsten Programmen der Stiftung gehören Stipendien für Studienaufenthalte im Ausland, Praktika für junge Menschen in führenden ausländischen Hochschul- und Forschungseinrichtungen, die Gewinnung von Dozenten aus den weltweit führenden Universitäten und Forschungseinrichtungen, die Teilnahme junger Menschen an internationalen wissenschaftlichen und praktischen Seminaren und Konferenzen, die Auszeichnung junger Menschen für ihre Leistungen und die Unterstützung der Durchführung von Projekten in Bildung, Wissenschaft und Sport.

Irina Tulyakova sagte auch, dass die Arbeit an der Online-Plattform der Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für digitale Wirtschaft fortgesetzt wird.

Die wichtigsten Programme des Fonds werden voraussichtlich im Februar 2022 anlaufen.

Der Fonds wird 100.000 Griwna an die Gewinner internationaler Olympiaden auszahlen. Präsidentschaftsstipendien in Höhe von 10.000 UAH werden auch an die Teilnehmer der UPE gezahlt, die die besten Ergebnisse erzielt haben. Diese Stipendien werden im Laufe des Jahres monatlich ausgezahlt.

Geplant ist auch die Finanzierung von Preisen, um die Leistungen ukrainischer Sportler zu fördern, junge Menschen für den Sport zu begeistern und das Training zu unterstützen.

Darüber hinaus bietet die Stiftung die Möglichkeit, Stipendien für Master- und Promotionsstudien an ausländischen Bildungseinrichtungen zu erhalten. Dies wird begabten jungen Menschen und Akademikern eine wettbewerbsfähige Ausbildung ermöglichen.

Der Fonds kann auch genutzt werden, um hochqualifizierte ausländische Lehrkräfte und Ausbilder anzuwerben, die ukrainische Studenten in vorrangigen Bereichen ausbilden, in denen das Ausbildungsniveau erhöht werden muss.

Zuvor wurde berichtet, dass Präsident Wolodymyr Zelenski ein Dekret zur Vergabe von Stipendien und Preisen für die besten Teilnehmer an UPE und Olympiaden unterzeichnet hat.

Quelle: Ukraine-Nachrichten

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